
Stationen der Entwicklung des Neunkircher Eisenwerkes von den Anfängen bis zur |
1593 | Den ersten Hinweis auf das Bestehen einer Eisenhütte in Neunkirchen liefert eine dort |
1597 |
| Erste urkundliche Erwähnung eines Eisenwerkes in Neunkirchen. |
ab 1605 |
| Verschiedene Pächter treten auf, u. a. Robert Maupassant und Nicolas Unbehendt. |
1610 |
| Schmiedeeisen und Gußstahl aus Neunkirchen sind bereits weithin berühmt. |
1618 |
| Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. |
1635 |
| Völlige Zerstörung des Dorfes Neunkirchen und der Eisenhütte durch spanische und lothringische Truppen. |
1652 |
| Wiederaufbau durch Graf Johann Ludwig von Nassau-Ottweiler und Verpachtung an Peter Surmond und Heinrich Beucher. |
1658 |
| Die beiden Pächter bitten auf Grund der hohen Löhne um Auflösung des Vertrages. |
1669 |
| Peter Pastert tritt als neuer Pächter auf. |
1675 |
| Herrschaft sieht sich gezwungen, Hütte wieder selbst zu betreiben. Man muß jedoch weiterhin Verluste hinnehmen. |
Mai 1683 |
| In einem Brief der Gräfinnenwitwe Eleonore Clara von Nassau-Saarbrücken heißt es, die "Eisenhütte sei ruiniert". |
1686 |
| Remaclus-Renard-Joseph de Hauzeur, ein Wallone, löst das Lohnproblem: Er bringt viele Arbeiter aus seiner Heimat mit und verleiht der Hütte neuen Schwung. |
1696 |
| De Hauzeur siedelt mit den meisten seiner Arbeiter nach Züsch bei Hermeskeil um. |
24.06.1703 |
| Die Nachfolge treten Hans Georg Koch, Handelsmann aus Zweibrücken, und sein Partner Grégoire Jacques, früherer Hüttenmeister aus Neunkirchen, an. |
1728 |
| In einem Bericht an die Fürstin Charlotte-Amalie von Nassau-Saarbrücken wird die Hütte als die „konsiderabelste” auf dem linken Rheinufer bezeichnet. |
1744 |
| Errichtung eines zweiten Hammers. |
29.08.1748 |
| Thomas von Stockum aus Frankfurt am Main übernimmt mit seinen Söhnen für 3.500 Gulden Pacht pro Jahr die Neunkircher Hütte. |
11.07.1749 |
| Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken genehmigt den Bau einer zweiten Schmelz, am Hasselbachweiher, im Sinnerthal. |
1752 |
| Errichtung der sogenannten „oberen Schmelz”. Die zur Betreibung notwendigen Arbeiter läßt man aus Württemberg kommen. |
28.02.1762 |
| Verlängerung der Stockum-Pacht um sechs Jahre. |
1770 |
| Johann Wolfgang von Goethe reist als Student an die Saar und besucht u.a. die Neunkircher Hütte. |
20.08.1782 |
| Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken verpachtet die Hütte zunächst an die französische „Société fermière Le Clere, Joly et Comp.”. |
1792 - 1794 |
| Als Folge der Französischen Revolution von 1789 stoßen Truppen bis zum Rhein vor. |
1793 |
| Französische Truppen besetzen das ehemalige Fürstentum Nassau-Saarbrücken und lösen die Regierung auf. Das Gebiet wird an Frankreich angegliedert. Die Eisenhütten werden den jeweiligen Distrikten unterstellt. |
ab 1797 |
| Die Hütte wechselt mehrfach den Besitzer: Zunächst Verpachtung an die Firma Equer auf neun Jahre, dann Verkauf an C. F. Maes, der sie wiederum an Antoine Grégoire Michel aus Paris verkauft. |
1798 |
| Errichtung eines Saar-Departements. |
09.03.1801 |
| Friede von Lunéville: Loslösung des gesamten linksrheinischen Gebietes und Angliederung an die französische Republik. |
21.03.1806 |
| Erwerb der Neunkircher Hütte durch die Brüder Stumm (Johann Friedrich, Friedrich Philipp und Christian Philipp), die Gründer der„Gebrüder Stumm OHG”. Die Bezahlung erfolgt in drei Stufen zu je einem Drittel des Kaufpreises, am 21. April, 23. Juni und letztlich am 29. September. |
1814/15 |
| Im Zuge des Pariser Friedens und der staatlichen Neuregelung auf dem Wiener Kongreß fällt der größte Teil des heutigen Saarlandes an die preußische Rheinprovinz. |
31.12.1817 |
| Die Stumm OHG übernimmt 40 % der Anteile an der „Kupfer-, Schwarz- und Weißblechfabrik zu Dillingen”. |
1828 |
| Die Stumm OHG erwirbt die Geislauterner Hütte und bringt sie in die Dillinger Hütte ein, die im Anschluß daran ihr Aktienkapital erhöht. |
1833 |
| Karl Friedrich Stumm nimmt das erste saarländische Puddelwerk in Betrieb. Steinkohle löst Holz als wichtigsten Brennstoff bei der Verhüttung ab. |
ab 1835 |
| Karl Friedrich Stumm übernimmt im Oktober 1835 die alleinige Leitung des Werkes und baut in der Folgezeit die Hütte aus bzw. modernisiert verschiedene Anlagen: |
1845 |
| Anlaufen der ersten Walzenstraße im Saargebiet für die Herstellung eiserner Eisenbahnschienen. Damit setzt die Massenproduktion ein, die auf lange Zeit die Existenz des Werkes sichern sollte. |
1846 |
| Auf den neu erworbenen Erzfeldern an der Lahn beginnt man mit der Förderung. |
24.02.1848 |
| Freitod Karl Friedrich Stumms. |
ab 1848 |
| Kontinuierliche Stärkung und Konsolidierung der Ertragskraft stehen im Vordergrund der Arbeit Karl Böckings. |
01.04.1858 |
| Karl Ferdinand Stumm tritt in die Firma ein und übernimmt gemeinsam mit Karl Böcking die Firmenleitung. |
1861 - 1864 |
| Die Neunkircher Hütte produziert in diesen Jahren rund 33 % des deutschen Jahresverbrauches an Roheisen: 26.000 t. |
1866 |
| Ein neues Walzwerk nimmt seine Produktion auf, die alten Walzenstraßen erfahren eine Modernisierung. |
1870 - 1872 |
| Bau einer betriebseigenen Koksofenanlage. |
Herbst 1871 |
| Karl Böcking tritt als Werksleiter ab und überläßt die Aufgabe nun allein dem im Jahre 1858 in die Firma eingetretenen Karl Ferdinand Stumm. |
ab 1876 |
| Ausbau und Modernisierung der Produktionsanlagen, u.a.: |
Ende 1881 ab 1882 |
| In Neunkirchen wird erstmals Thomasstahl erblasen. Weitere Investitionen erforderlich: Neunkirchen soll das Universalwerk für jedes Walzwerkserzeugnis werden: |
1885 |
| Umrüstung des Thomasstahlwerkes, u.a. Einbau auswechselbarer Konverter. |
1885/86 |
| Die Investitionen zahlen sich aus: Neunkircher Walzerzeugnisse werden auf den Weltausstellungen in Antwerpen bzw. Chicago ausgezeichnet. |
1886 |
| Ein neues Drahtstahlwalzwerk nimmt seine Produktion auf. |
1887/88 |
| Bau und Inbetriebnahme eines Blockwalzwerkes direkt neben dem Stahlwerk. |
01.04.1888 |
| Die "Gebrüder Stumm OHG" wird in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt: |
1888 |
| Karl Ferdinand Stumm, auch „König Stumm” genannt, wird von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen Freiherrnstand erhoben und erhält das Recht seinem Namen den Zusatz „-Halberg” anzufügen. |
1890 |
| Der Ausbau des Werkes schreitet rasch voran: |
1892 |
| Kaiser Wilhelm II. besucht das neugotische Schloß der Familie Stumm auf dem Halberg sowie die Neunkircher Hütte. |
1900 |
| Neunkirchen produziert 289.000 t Roheisen im Jahr, doppelt so viel wie im Jahr 1888. Die Belegschaft hat sich jedoch nur um etwa ein Drittel erhöht. |
08.03.1901 |
| Todestag Karl Ferdinands Freiherr von Stumm-Halberg. Sein Tod bringt einige Veränderungen in der Unternehmensführung mit sich, da Karl Ferdinand keinen männlichen Erben hinterläßt. |
04.04.1901 |
| Theodor Zilliken und Fritz Horn, ehemalige Generaldirektoren der Firma, treten als persönlich haftende Gesellschafter in die Firma ein und übernehmen die kaufmännische bzw. technische Leitung des Unternehmens. |
1901 |
| Kauf der Grube Achenbach bei Dortmund, um das Werk in Ueckingen nicht von einer fremden Kohlenquelle abhängig zu machen. |
1901/02 |
| Errichtung von zwei neuen Hochöfen, mit einer Tagesleistung von jeweils 130 t. |
31.03.1903 |
| Umwandlung der Firma in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung: „Gebrüder Stumm GmbH“. |
01.09.1904 |
| Fritz Horn scheidet aus dem Unternehmen aus. Theodor Zilliken obliegt nun alleine die Firmenleitung. |
1905 |
| Die Jahresgesamtproduktion an Roheisen in den Werken Neunkirchen und Ueckingen beträgt 393.000 t. |
ab 1910 |
| Grundlegende Modernisierung des Walzwerkes. Maßnahmen: |
August 1914 |
| Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Ein Großteil der Arbeiter wird zum Heeresdienst einberufen. |
1916 - 1919 |
| Errichtung eines Siemens-Martin-Stahlwerkes (SM-Stahlwerk) mit 35-t-Öfen. |
1918/19 |
| Die Folgen des Krieges sind nicht unerheblich: |
Dezember 1919 |
| Ferdinand von Stumm legt gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat nieder und zieht sich aus dem Unternehmen zurück. |
14.04.1920 |
| Verkauf von 60 % der Anteile am Neunkircher Werk an die Gruppe Nord et Lorraine. |
1926 |
| Die französischen Aktionäre verkaufen rund 66 % ihrer Anteile, d.h. 40 % des gesamten Aktienkapitals, an die „Eisen- und Hüttenwerke AG“ aus Köln, die sich im Besitz von Otto Wolff befindet. |
ab 1926 |
| Der neue Aktionär realisiert ein Modernisierungsprogramm mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Reichsmark: |
10.02.1933 |
| Schwere Unfallkatastrophe: Ein Zündfunke verursacht bei Reparaturarbeiten die Explosion des nahe der Kokerei stehenden über 70 m hohen Gasometers: 65 Todesfälle sind zu beklagen, über 90 Verletzte werden gezählt, 170 Wohnungen sind zerstört und über 700 Bewohner werden auf einen Schlag obdachlos. |
1935 - 1941 |
| Umfangreiche Modernisierungen werden durchgeführt. Insgesamt werden 45,5 Millionen Reichsmark investiert: |
01.09.1939 |
| Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: Die Stadt wird überfüllt mit Militärs, Westwall-Arbeitern und Evakuierten. |
bis 1945 |
| Das Werk wird insgesamt zehnmal zum Ziel schwerer Bombenangriffe. |
21.03.1945 |
| Amerikanische Truppen besetzen das Werk. |
Juni 1945 |
| Das Saarland wird französische Besatzungszone. |
08.03.1946 |
| Das Hüttenkraftwerk wird wieder in Betrieb genommen. |
28.02.1947 |
| Die ersten 40 Öfen der Kokerei werden gezündet. |
1949 |
| Beginn mit dem Wiederaufbau des eigentlichen Hüttenbetriebes nach Freigabe von Mitteln aus dem Marshall-Plan. |
15/16.07.1950 |
| Im Rahmen einer groß angelegten Feier werden am 15.07. die ersten beiden Hochöfen (III + IV) entzündet. Einen Tag später werden beide Öfen angeblasen und damit in Betrieb genommen. |
1953 |
| Die Roheisenerzeugung erreicht mit 693.307 t ihren bis dahin höchsten Stand. |
23.10.1955 |
| Saarreferendum: 67,7 % entscheiden sich gegen das Saarstatut. |
1958 |
| Errichtung einer neuen Blockstraße. |
1961 |
| Das Neunkircher Eisenwerk produziert in diesem Jahr 900.000 t Rohstahl. Die Zahl der Beschäftigten beläuft sich auf 9.500. |
1962 - 1967 |
| Durchführung notwendiger Modernisierungen: |
1970 |
| Bau eines Scheibengasbehälters von 80.000 m3 Nenninhalt bei einem Durchmesser von 41 m und einer Höhe von 68 m. |
1972 |
| Inbetriebnahme einer neuen Feinstahlstraße, eine der modernsten ihrer Zeit. |
1974 |
| Erzeugt werden 1,07 Millionen Tonnen Roheisen, 1,29 Millionen Tonnen Rohstahl und 1,05 Millionen Tonnen Walzwerkfertigerzeugnisse. |
08.08.1976 |
| Inbetriebnahme eines Oxygen-Boden-Maxhütte-Stahlwerkes (OBM-Stahlwerkes). Drei OBM-Konverter übernehmen die Produktion von sechs Thomaskonvertern und drei S-M-Öfen. Die Zeit des Thomasstahls ist zu Ende. |
1977 |
| Ein schweres Jahr: Die europäische Stahlproduktion sinkt um 19 %. |
März 1978 |
| Die ARBED Luxemburg übernimmt von den beiden Anteilseignern der „Neunkircher Eisenwerk AG“", der „Eisen- und Hüttenwerke AG“ und der „Stumm AG“, je 48,5 % der Anteile. |
18.12.1978 |
| Verabschiedung eines Restrukturierungsprogramms durch die Geschäftsleitungen der „Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH“ und der „Neunkircher Eisenwerk AG“" unter Mitwirkung von Bund, Land und Gewerkschaften. U.a. werden folgende Maßnahmen beschlossen: "AG der Dillinger Hüttenwerke" auf die „Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH“ SM-Stahlwerkes Völklingen durch ein neues Blasstahlwerk mit Stranggußanlagen in Völklingen bis zum Jahre 1982/83 bei gleichzeitiger Umstrukturierung in Richtung mehr Qualitäts- und Edelstähle Programmaustausches und einer Programmbereinigung zwischen allen ARBED-Unternehmen |
1980 |
| Die europäische Stahlindustrie verzeichnet erhebliche Absatzeinbußen bei gleichzeitig gravierenden Erlösrückgängen. EG legt Produktionsquoten und Mindestpreise fest. |
1981 |
| Weitere Einsparungs- und Produktionsbereinigungsmaßnahmen sind notwendig: |
27.02.1982 |
| Stillegung des Hochofens IV. |
Mitte 1982 |
| Anpassung des Restrukturierungsprogramms aufgrund der sich verschlechternden Absatz- und Erlössituation. |